- 26.06.2026
- Verbindungstechnik
Wie Licht Informationen transportiert werden
Autor: David Pike @Samtec
Die Wissenschaft der optischen Verbindungen - Teil 2
Im ersten Artikel dieser Reihe haben wir untersucht, warum optische Verbindungen in der Elektronikindustrie wieder vermehrt Beachtung finden. Der Bandbreitenbedarf steigt stetig, und Systemarchitekten suchen nach Lösungen für Herausforderungen in Bezug auf Stromverbrauch, Dichte und Skalierbarkeit.
Wie funktioniert Glasfaser eigentlich?
Für viele Ingenieure wirken Glasfasern, im Vergleich zu intuitiven Funktionsweisen von herkömmlichen elektrischen Systemen, geheimnisvoll. Leiter transportieren Strom, Kontakte übertragen Signale und Spannungspegel repräsentieren Informationen. Auf den ersten Blick ist die optische Kommunikation grundlegend anders, da die Informationen durch Licht statt durch Elektrizität transportiert werden. Doch im Grunde ist das Konzept überraschend vertraut.
Ob Informationen mittels elektrischer Signale, Radiowellen oder Lichtimpulse übertragen werden, das Ziel bleibt dasselbe: Daten müssen so zuverlässig und effizient wie möglich von einem Ort zum anderen übertragen werden. Das Übertragungsmedium mag sich ändern, doch die grundlegende Herausforderung der Kommunikation bleibt bemerkenswert ähnlich.
Optische Kommunikation beginnt mit der Umwandlung elektrischer Informationen in Lichtimpulse. Ein Sender, typischerweise ein Laser oder eine LED, erzeugt Licht, das mit extrem hoher Geschwindigkeit moduliert werden kann. Diese Modulationen repräsentieren digitale Informationen, ähnlich wie Spannungsänderungen Daten in einem elektrischen System darstellen. Am Empfänger wandelt ein Fotodetektor diese Lichtimpulse wieder in elektrische Signale um, die vom System verarbeitet werden können. Die Herausforderung besteht darin, diese Lichtsignale über eine bestimmte Distanz zu übertragen und dabei ihre Integrität zu bewahren.
Licht unter Kontrolle halten
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass sich Glasfasern wie transparente Rohre verhalten, durch die Licht einfach geradlinig hindurchfliesst. Die optische Struktur einer Faser besteht aus zwei Hauptschichten. Im Zentrum befindet sich der Kern, der von einer zweiten Schicht, dem Mantel, umgeben ist. Beide bestehen aus Glas, weisen aber leicht unterschiedliche optische Eigenschaften auf.
Der entscheidende Parameter ist der Brechungsindex, der beschreibt, wie sich Licht beim Durchgang durch ein Material verhält. Durch die präzise Steuerung der Brechungsindizes von Kern und Mantel können Ingenieure erreichen, dass das in die Faser eintretende Licht im Kern eingeschlossen bleibt, anstatt in das umgebende Material zu entweichen. Dieser Effekt wird als Totalreflexion bezeichnet.
Obwohl das Licht innerhalb der Faser reflektiert werden kann, wird es vom Kern geführt und kann beträchtliche Entfernungen mit sehr geringen Verlusten zurücklegen. Dies ist einer der Gründe, warum die optische Kommunikation zum Rückgrat der globalen Telekommunikation geworden ist. Signale können viele Kilometer zurücklegen, bevor eine Verstärkung erforderlich ist – Entfernungen, die mit herkömmlichen elektrischen Verbindungen nur schwer zu erreichen wären.
Die Totalreflexion lässt sich allein durch Text schwer veranschaulichen. Dieses kurze Video zeigt, wie dieser Effekt das Licht im Faserkern einschliesst.
Das ist auch einer der Gründe, warum Glasfasertechnologie zunächst ungewohnt erscheinen mag. In Kupfersystemen denken Ingenieure üblicherweise an Leiter, Widerstand, Stromfluss und Kontaktflächen. In optischen Systemen sind die entscheidenden Konzepte anders. Das Signal transportiert zwar weiterhin Informationen, aber eben nicht mehr nach dem Verhalten von Elektrizität, sondern nach dem Prinzip des Lichts.
Nicht alle Fasern sind gleich
Sobald sich Ingenieure mit dem Konzept der Totalreflexion vertraut gemacht haben, müssen sie verstehen, warum es verschiedene Fasertypen gibt. Die Antwort liegt in den Wegen, die das Licht durch die Faser nehmen kann.
Bei Multimodefasern ist der Kern relativ gross. Dadurch kann sich Licht gleichzeitig auf mehreren Pfaden, sogenannten Moden, ausbreiten. Multimodesysteme sind im Allgemeinen einfacher auszurichten und können kostengünstigere optische Komponenten verwenden, was sie für Anwendungen mit kürzeren Entfernungen, wie z. B. Rechenzentren und Unternehmensnetzwerke, attraktiv macht.
Auf den ersten Blick mag ein grösserer Kern die bessere Lösung erscheinen. Schliesslich bietet er dem Licht mehr Raum zur Ausbreitung. Die Herausforderung besteht jedoch darin, dass nicht das gesamte Licht den exakt gleichen Weg durch die Faser nimmt.
Stellen Sie sich eine Gruppe Reisender vor, die einen Berg überqueren möchte. In einem Szenario stehen mehrere Routen zur Verfügung. Einige sind direkt, andere länger und kurvenreicher. Obwohl alle gleichzeitig aufbrechen, kommen sie nicht alle gemeinsam an. Mit der Zeit zerstreut sich die Gruppe, da jeder Reisende einen anderen Weg eingeschlagen hat.
Einzelmodus und Multimodus
Etwas Ähnliches geschieht in Multimodefasern. Licht, das in die Faser eintritt, kann mehrere Wege nehmen, die jeweils eine geringfügig unterschiedliche Weglänge aufweisen. Über eine bestimmte Entfernung treffen Teile des optischen Signals zu leicht unterschiedlichen Zeiten ein, wodurch die übertragene Information allmählich verschwimmt. Dieser Effekt wird als Modendispersion bezeichnet.
Die Singlemode-Faser geht das Problem anders an. Ihr deutlich kleinerer Kern beschränkt das Licht auf einen einzigen Weg durch die Faser. Um bei unserem Bergbeispiel zu bleiben: Alle reisen nun durch denselben Tunnel. Die Reise ist vielleicht nicht unbedingt schneller, aber die Gruppe bleibt zusammen und kommt deutlich geordneter ans Ziel.
Dies reduziert die Streuung drastisch und ermöglicht die Übertragung von Informationen über deutlich grössere Entfernungen bei gleichbleibender Signalintegrität. Es ist auch deshalb wichtig, weil es ein übergreifendes Thema verdeutlicht, das sich durch das gesamte Design von Verbindungsleitungen zieht: Es gibt selten die eine beste Lösung. Verschiedene Technologien existieren, weil sie unterschiedliche technische Probleme lösen.
Multimode-Fasern sind nach wie vor für viele Anwendungen mit kürzeren Reichweiten sehr effektiv, während Singlemode-Fasern die Fernkommunikation dominieren und zunehmend auch optische Verbindungen mit höchster Leistungsfähigkeit unterstützen. Die Wahl hängt nicht von der Überlegenheit der jeweiligen Technologie ab, sondern davon, welche am besten zu den Anforderungen der Anwendung passt.
Die Faser ist nicht perfekt
Wie bei der elektrischen Übertragung unterliegen auch optische Signale einer Dämpfung, die die Signalstärke mit zunehmender Entfernung verringert. Der Unterschied liegt darin, wie langsam sich die Dämpfung im optischen Kanal akkumuliert. Steckverbinder müssen zudem beim Zusammenstecken eine präzise Ausrichtung gewährleisten, die oft im Mikrometerbereich gemessen wird. Schmutz und Verunreinigungen können die Leistung erheblich beeinträchtigen.
Deshalb stehen manche Ingenieure Glasfasern nach wie vor skeptisch gegenüber. Die Vorteile liegen auf der Hand, doch die praktischen Anforderungen können ungewohnt sein. Kupferverbinder werden üblicherweise anhand der Zuverlässigkeit des elektrischen Kontakts beurteilt, Glasfaserverbinder hingegen müssen zusätzlich einen winzigen optischen Pfad schützen und ausrichten.
Dieses Präzisionsbedürfnis ist einer der Gründe, warum Glasfasertechnik traditionell als Spezialtechnologie gilt. Konfektionierung, Polieren, Inspektion, Reinigung und Testverfahren spielen eine entscheidende Rolle, und eine mangelhaft ausgeführte optische Schnittstelle kann die Leistung schnell beeinträchtigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Glasfaser so empfindlich ist, wie viele Ingenieure annehmen, sondern lediglich, dass optische Systeme entsprechend konstruiert, verpackt und gehandhabt werden müssen.
Das Gleiche gilt für jede Hochleistungsverbindungstechnologie. Präzisions-HF-Steckverbinder, Hochgeschwindigkeits-Differenzialpaare und fortschrittliche Board-to-Board-Systeme folgen jeweils ihren eigenen Regeln. Glasfaser ist anders, aber nicht geheimnisvoll.
Kupfer und Glasfaser im Zusammenspiel
Eine der wiederkehrenden Botschaften dieser Reihe ist, dass Kupfer und Optik weniger Konkurrenten als vielmehr komplementäre Technologien sind.
Elektrische Kurzstreckenkanäle sind nach wie vor sehr effektiv für die Kommunikation innerhalb von Gehäusen, Platinen und Subsystemen. Optische Verbindungen gewinnen zunehmend an Attraktivität, da die Anforderungen an Reichweite, Bandbreite und Dichte steigen.
Dieser Trend lässt sich in vielen Architekturen beobachten, die aktuell für KI- und Hochleistungsrechneranwendungen entwickelt werden. Technologien wie die integrierte Optik bringen optische Einheiten näher an den Prozessor heran, während elektrische Schnittstellen, wo immer praktikabel, erhalten bleiben. Die technische Herausforderung besteht darin, zu entscheiden, wo elektrische Signalgebung sinnvoll ist, wo optische Signalgebung Vorteile bietet und wie Architekturen entwickelt werden können, die beides unterstützen.
Samtec SiFly HD CPX optische, kupfergekapselte Verbindungen
Die Si-Fly® HD-Plattform von Samtec spiegelt diesen Ansatz wider. Die gleiche, in einem Gehäuse integrierte Steckverbinderarchitektur unterstützt sowohl kupferbasierte Kurzstreckenverbindungen als auch optische Verbindungen mit 224 Gbit/s, sodass Systemarchitekten das am besten geeignete Übertragungsmedium wählen können, ohne die Gesamtarchitektur grundlegend verändern zu müssen.
Diese Flexibilität ist wichtig, da die Zukunft wahrscheinlich weder ausschliesslich Kupfer noch ausschliesslich Optik gehören wird. Vielmehr werden Systeme, die beide Technologien dort einsetzen, wo sie technisch am sinnvollsten sind, zunehmend zum Einsatz kommen.
Im letzten Artikel dieser Reihe werden wir untersuchen, was passiert, wenn die Optik näher an das Silizium selbst rückt – von gemeinsam verpackter Optik und Siliziumphotonik bis hin zu den neuen Architekturen, die die Zukunft von KI und Hochleistungsrechnen prägen.
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